Digitale Kultur

Das Dortmunder U ist die einzige große, überregional bedeutsame Kultureinrichtung in NRW, die einen systematischen Schwerpunkt auf digitale Kultur und die digitale Transformation der Künste legt. Die Filminstallationen von Adolf Winkelmann, besonders aber durch die Medienfassade Fliegende Bilder an der Dachkrone, bilden das (digitale) Wahrzeichen des Dortmunder U nach außen.

Das Thema Digitalität steht bei der Umsetzung von Ausstellungen, Workshops sowie anderen Projekten und Veranstaltungsformaten von allen im Dortmunder U beheimateten Institutionen im Fokus. Die digitale Ausrichtung bringt selbstverständlich mit sich, dass die Einrichtungen im Dortmunder U übergreifend und kollaborativ arbeiten. Bewiesen hat das Haus dies in Projekten wie page21Innovative CitizenDIGITRANS oder smARTplaces. Zwischen dem storylab kiU der Fachhochschule Dortmund und der Akademie für Digitalität und Theater bestehen enge Austauschbeziehungen und ein gemeinsames Verständnis von neuen Formen digitaler Kunst und Kreativität.

Im Resümee versteht sich das Dortmunder U als großes Zukunftslabor in der digitalen (Kunst-)welt.

Die Kunstvermittlung des Museums Ostwall im Dortmunder U (MO) verfolgt den Leitgedanken, Situationen zu schaffen, in denen Kinder, Jugendliche und Erwachsene jeweils persönlich einen Zugang zu den im Museum ausgestellten Kunstwerken finden und eine eigene Haltung gegenüber diesen einnehmen.

Dies erfolgt über Kunstbetrachtung, den gegenseitigen Austausch im Dialog und über eigene praktisch-gestalterische Arbeit. Verschiedensten Medien wird dabei ein gleichwertiger Platz eingeräumt. Der Einsatz digitaler Medien wird mit der Arbeit in „klassischen“ analogen Medien und mit haptischer, körperlicher Erfahrung verbunden. Digitale Medien sind nach dem Verständnis des Museums Ostwall somit niemals Selbstzweck, sondern ein Werkzeug innerhalb einer Gruppe von verschiedenen eingesetzten Werkzeugen zur künstlerischen Gestaltung, zum Austausch von Informationen und zur Präsentation.

So ist für einen zeitgemäßen Austausch von wissenschaftlichen Erkenntnissen der gesamte Sammlungsbestand des Museums Ostwall im Dortmunder U in einer Datenbank als unverzichtbares digitales Instrument hinterlegt und abrufbar.

Digitalität eröffnet aber auch in besonderer Weise die Möglichkeit partizipativen Handelns der Museumsbesucher*innen. Von 2011 bis 2017 war das Interaktive Bildarchiv Teil der Sammlungspräsentation. Hier konnten Besucher*innen eigene Fotos einspeisen und auf einem Touchscreen-Tisch Bildatlanten erstellen, die über Flatscreens ausgespielt und so Teil der Ausstellung wurden.

In der aktuellen Sammlungspräsentation Body & Soul. Denken, Fühlen, Zähneputzen können Besucher*innen im Flux Inn über eine installierte Kamera sich selbst ins Verhältnis zu einer Videoperformance setzen oder eigene Aktionen über ein iPad fotografisch dokumentieren. In Projektkooperationen mit  smARTplaces und page21 entwickelt das MO Möglichkeiten partizipativen Handelns im digitalen Raum weiter.

Während der Schließungszeit und des Umbaus der Museumsetagen gab das MO über Videoclips interessierten Besucher*innen Einblick hinter die Kulissen des Museums – bei Projektbesprechungen, Umbauarbeiten auf der Baustelle und beim Aufbau der Ausstellung. Diesen Gedanken verfolgt das MO auf seinen Social Media-Kanälen weiter. Dort ist nicht nur die Präsentation einzelner Kunstwerke und deren Vermittlung Thema, sondern auch alltägliche Tätigkeiten der Museumsmitarbeiter*innen wie Ausstellungsaufbau oder restauratorische Prozesse, die Menschen des Museumsteams werden sichtbar.

Diese Unmittelbarkeit der Interaktion über digitale Medien ist für das Museum essenziell – auch sie unterstützen dabei Zugangsschwellen abzubauen und das Museum zu einem offenen Aktionsort für alle zu machen.

Der 1996 gegründete Hartware MedienKunstVerein (HMKV) ist ein national und international bekannter und vielfach ausgezeichneter Kunstverein. In den großangelegten Ausstellungen des HMKV wird Medienkunst als zeitgenössische Kunst verstanden, die sich inhaltlich mit unserer in starkem Maße medial und technologisch geprägten Gegenwart auseinandersetzt. Ziel des HMKV ist es, ein Verständnis für vielschichtige gesellschaftliche, politische, ökonomische oder ökologische Zusammenhänge herzustellen. In einer globalisierten und durch Technologie beschleunigten Welt ermöglicht dieser Ansatz einen neuen Blick auf unsere Gegenwart, der komplexe Zusammenhänge verständlich macht.

Seit 2010 hat der HMKV seinen Sitz im Dortmunder U – dem Ort, an dem er bereits 1998 die vielbeachtete Medienkunstausstellung Reservate der Sehnsucht präsentierte. Zu den Projekten der letzten Jahre zählen vielbeachtete Ausstellungen wie z.B. Afro-Tech (2017), welche Afrika als Kontinent der technologischen Innovation präsentierte, während Sturm auf den Winterpalast im 100. Jahr der Oktoberrevolution eine der erfolgreichsten „Fake News“ der Geschichte analysierte. Computer Grrrls (2018) widmete sich der Beziehung zwischen Frauen und Technologie in Geschichte und Gegenwart. Die Ausstellung Der Alt-Right-Komplex (2019) untersuchte (neu- oder alternativ-)rechte Netzwerke, während Artists & Agents. Performancekunst und Geheimdienste (2019-2020) der seltsamen Verbindung zwischen geheimdienstlichen und künstlerischen Praktiken nachging.

In der Serie HMKV Video des Monats stellt der HMKV seit 2014 im monatlichen Wechsel aktuelle Videoarbeiten internationaler Künstler*innen vor – ausgewählt von Inke Arns, Direktorin des Hartware MedienKunstVerein.

Weiterführende Informationen finden sich unter www.hmkv.de und in der Imagebroschüre des HMKV

Experimentell, spielerisch, interaktiv und sich zwischen vielfältigen Medien bewegend: Die UZWEI im Dortmunder U ist ein Ort, der jungen Menschen Raum für einen künstlerischen Umgang mit Film, Fotografie, Gaming, Programmieren und weiteren digitalen Medien, sowie Mixed Media gibt.

Über interdisziplinäre Ausstellungen und Workshops werden in der UZWEI vielfältige, mediale, ästhetische Erfahrungen erlebbar: An sechs Tagen in der Woche bietet die Etage ein interaktives und partizipatives Angebot. Die Besucher*innen können wechselnde Ausstellungen, die jungen Talenten und Künstler*innen eine Plattform geben, erleben und mitgestalten. 

In den Workshops und Projekten für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene können die Teilnehmenden selbst digitale Technik und professionelles Know-how ausprobieren, erlangen und weitergeben. Ausgehend von der Frage, was die Gesellschaft bewegt, reflektieren und hinterfragen sie die (digitale) Welt und gestalten sie aktiv mit.
Neue Technologien zaubern, entzaubern und umnutzen, alles hinterfragen, tüfteln, erfinden und Neues Schaffen: Von Medienlabor, experimentellen Film- und Fotokursen, digitaler Spielkultur und Games, Hacken, Augmented Reality, 3D-Druck und 3D-Animation, bis hin zum Digital Painting in den Mangazeichenkursen und dem Bauen eigener Roboter bietet die UZWEI ein breites und innovatives Programm für unterschiedlichste Interessen.

Mit dem UZWEI Game Abenteuer U können Besucher*innen das Dortmunder U und insbesondere die UZWEI ab Winter 2020 spielerisch erkunden. Damit schafft die UZWEI eine interaktive, digitale Ausstellungsfläche, auf der die Ergebnisse der zahlreichen Workshops ausgestellt werden. Die Besucher*innen der Ingame-Ausstellung sind eingeladen, mitzumachen: Einfach eigene digitale Kunstwerke einreichen! Die besten Werke werden regelmäßig ausgesucht und digital ausgestellt.

Das storyLab kiU kooperiert eng mit den Kulturbetrieben Dortmund und ist zentraler Baustein der Fachhochschule Dortmund und des Dortmunder U. Als solches ist es als ein Ort der erzählten Auseinandersetzung mit dem Thema Digitalität in einer modernen Gesellschaft und dem digitalen Transfer kultureller Bildung und Kunst zu sehen. Zentrale Projekte des storyLab kiU sind das Fassadenmapping am Dortmunder U, das Kunstprojekt Der erste Kontakt, die Bespielung des Fulldomes im Erdgeschoss des Dortmunder U sowie die Entwicklung und Umsetzung des digitalen Vermittlungskonzeptes page21.

Seit Start des Projektes im November 2016 hat sich das storyLab kiU zum digitalen Forschungs- und Präsentationszentrum der Fachhochschule Dortmund im Dortmunder U entwickelt und ist heute in der Lage, alle aktuellen Präsentations- und Transferformate gestalterisch sowie technisch zu entwickeln und zu produzieren. Das storyLab kiU forscht in den Bereichen Virtual Reality, Augmented Reality, 360°-Film, Immersion sowie Videoprojektionsmapping, um neue Wege der Dramaturgie und des Erzählens zu erproben und über die bekannten technischen und visuellen Effekte hinaus verschiedene Ansätze des Storytellings zu erfassen.

Der Eingang des storyLab kiU ist eine interaktive Immersionszone. Mit Sound- und Lichtinstallationen an den Wänden sowie aufwendigen Projektionen auf der gesamten Bodenfläche gewährt der Raum Einblicke in die digitalen Forschungsprozesse des storyLab kiU.

Im Rahmen der DEW21-Museumsnacht und dem U R ART-Festival des EU-Projektes smARTplaces inszenierte das storyLab kiU 2019 zum ersten Mal ein dreidimensionales Videomapping auf der gesamten Westfassade des Dortmunder U: eine fantastische Reise durch die Geschichte des Gebäudes bis in die nahe digitale Zukunft. Die gebäudegroße Kunstprojektion erreichte ca. 3.000 Besucher*innen.

Auch 2021 plant das storyLab kiU die Zuschauer*innen mit einer neu entwickelten Geschichte zu begeistern: Ein Zauberwürfel, der die gesamte Fassade des Hauses auf den Kopf stellt; Graffitikünstler*innen, die das Dortmunder U kurzerhand einreißen und eine Unterwasserwelt, in der es nicht nur Tiere zu entdecken gibt, laden die Zuschauer*innen zu einem Abenteuer um den Entstehungsprozess Europas ein.

Kultur in Zeiten von Corona – Das bedeutete für viele Kunstschaffende und Kulturinstitutionen den Schritt ins Digitale. Performances oder Lesungen wurden in den vergangenen Monaten live gestreamt, Ausstellungen in virtuelle Galerien verlegt, das Engagement in den sozialen Netzwerken intensiviert. Die Chancen der Digitalität sind jedoch weitaus größer. Die coronabedingte Kontaktsperre ist die Chance, völlig neue Digital-Formate zu entwickeln und dabei Virtualität und Realität zu verknüpfen. Kunstschaffende und ihre Arbeiten vorstellen – das ist das Ziel des künstlerischen Experiments Der erste Kontakt.

Im ersten Schritt dieses neuen Projekts vom storyLab kiU geht es um einen ersten Kontakt von Künstler*innen mit digitalen Techniken in den Ateliers und Werkstätten, die nach der Kontaktsperre aufgrund der Corona-Pandemie durch persönliche Begegnungen und Atelierbesuche ergänzt werden sollen. Für das Projekt arbeitet das Dortmunder U zusammen mit dem Initiator und Ideengeber Harald Opel vom storyLab kiU der FH Dortmund, dem Kulturforum Witten und der Projektfabrik Witten. Weitere Informationen unter www.dererstekontakt.com

Im Dortmunder U – Zentrum für Kunst und Kreativität realisiert die Hochschuletage der Technischen Universität Dortmund mit ihren Ausstellenden immer wieder Projekte, die sowohl Digitalität als auch analoge Aspekte des Digitalen thematisieren.

So entstand zukunftsSPUREN – Ein Audioguide zu Stadtbauten der Metropole Ruhr im Projekt StadtSPÄHER am Seminar für Kunst und Kunstwissenschaft in Kooperation mit dem Projekt Stadt Bauten Ruhr. Seit August 2020 wird die Geschichte des Gebäudes, seine Transformation und die Campus Stadt der Technischen Universität Dortmund vorgestellt. Die Themen werden als kostenlose Sounddateien für das eigene Smartphone zur Verfügung gestellt. Sie sind über die Seite zukunftsspuren.info oder den zugehörigen QR-Code abrufbar und bieten 20 Minuten an Informationen für eine Begehung des Gebäudes an.

Im Oktober 2020 zeigte die Ausstellung #onthemove – Stadt in Bewegung als Projekt des Lehrgebiets Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt historische Bildungsforschung an der TU Dortmund sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Stadt als multicodierten Raum. Das Programm zur Ausstellung bot analoge und digitale Möglichkeiten, sich auf der Fläche, durch den Stadtraum oder im digitalen Raum zu bewegen. Auf der Ausstellungsfläche wurden Wahrnehmungsprozesse, Themen, Fragen und Perspektiven an konkreten Orten im Stadtraum und im digitalen Space diskutiert.

Mit Vier im roten Kreis werden voraussichtlich bis Januar 2021 die künstlerischen Positionen der vier Kunstlehrenden am Seminar für Kunst und Kunstwissenschaft der TU Dortmund gezeigt. Malerei, Fotografie, Skulptur, Installation und Zeichnung von Martin Kaltwasser, Bettina van Haaren, Felix Dobbert und Tillmann Damrau füllen den Ausstellungsraum. Thema der fotografischen Arbeit ist die Fehleranfälligkeit von Digitalfotos.

Die Fotografien sollen den Betrachtenden anregen, die eigene digitale und analoge Weltwahrnehmung zu hinterfragen. Zudem sähen sie Misstrauen, wenn Sehgewohnheiten und Vorstellungen von Wirklichkeit gezielt unterlaufen werden.