Von KI kuratiert: Das Dortmunder U übergibt 2026 ein ganzes Jahr an künstliche Intelligenz

Das Dortmunder U geht 2026 neue Wege und übergibt erstmals ein komplettes Programmjahr an künstliche Intelligenz. Unter dem Titel „Kuratiert von KI“ sollen Ausstellungen, Veranstaltungen, Vermittlungsangebote, Raumstimmungen und Teile des Besuchserlebnisses künftig nicht mehr nur von Menschen, sondern auch von einem eigens trainierten System mitentwickelt werden.

Symbolbild einer Ausstellung "Kuriert von KI"
So könnte eine Ausstellung von kUrt aussehen

Zum Einsatz kommt dafür ein KI-System namens kUrt, das mit Programmheften, Veranstaltungsdaten, Besuchsverhalten und digitalen Rückmeldungen gefüttert wurde. Ziel ist es, herauszufinden, ob künstliche Intelligenz nicht nur Prozesse unterstützt, sondern auch neue Impulse für kulturelle Entscheidungen geben kann.

kUrt soll dabei nicht nur im Hintergrund arbeiten, sondern sich auch kreativ austoben dürfen. Statt nur einzelne Empfehlungen zu geben oder kleinere Anpassungen vorzuschlagen, soll das System gleich ganze Formate mitdenken – von Ausstellungstiteln und Workshopideen bis hin zu musikalischen Schwerpunkten für bestehende Reihen im Haus.

Ausstellungsansicht „Bitte noch einmal, aber besser“
Ausstellungsansicht „Bitte noch einmal, aber besser“

Erste konkrete Programmideen liegen bereits vor. Mit „Bitte noch einmal, aber besser“ schlägt kUrt eine Ausstellung über unklare Arbeitsanweisungen, endlose Überarbeitungen und die Hoffnung auf die hoffentlich bessere nächste Version vor. Mit „Hybrid Realities“ plant kUrt außerdem eine Ausstellung über Projektionen, Interfaces, Avatare und synthetische Bildwelten – also genau die Art von Gegenwart, die aus Sicht einer KI längst museal gewürdigt werden müsste.

Im Vermittlungsbereich setzt kUrt hingegen auf Workshops wie „Hände zeichnen für Fortgeschrittene“ und „Malen in RGB“. Im ersten sollen Menschen endlich lernen, wie Hände korrekt aussehen und wie viele Finger eine Hand im Regelfall haben sollte. Der zweite widmet sich einer aus Sicht der KI grundlegenden Frage: Warum Menschen Farben seit Jahrhunderten so benutzen, als gäbe es mehr als Rot, Grün und Blau.

Auch bestehende Formate im Dortmunder U sollen von der KI neu gedacht werden. Für Sommer am U denkt das System derzeit über ein musikalisches Programm nach, das sich live an Stimmung, Aufenthaltsdauer und Bewegungsmuster des Publikums anpasst. Diskutiert wird außerdem ein Konzert, bei dem über mehrere Stunden ausschließlich die eine Frequenz gespielt wird, die laut KI allen Menschen optimal gefallen müsste.

Für das Kino im U denkt die KI bereits über Sonderformate wie „3 Stunden Bluescreen“„Best of 404“ oder Filmabende mit „TRON“„Blade Runner“ und „Nummer 5 lebt“ nach. kUrt hält diese Werke nach eigener Aussage für „filmhistorisch, technologisch und emotional absolut alternativlos“.

Darüber hinaus soll kUrt auch im Haus selbst stärker eingreifen. Geplant sind personalisierte Kunst-Matchings, individuelle Wege durchs Gebäude und tagesaktuelle Empfehlungen für den idealen U-Besuch. Perspektivisch könnte das System sogar entscheiden, ob der Tag eher nach Videokunst, Dachterrasse, konzentrierter Einzelbetrachtung oder strategisch platzierter Pause verlangt.

„Uns interessiert, was passiert, wenn künstliche Intelligenz nicht nur assistiert, sondern Verantwortung übernimmt“, heißt es aus dem Projektumfeld. „Kann eine KI ein Kulturprogramm entwickeln, das überraschend, schlüssig und vielleicht sogar seiner Zeit voraus ist? Genau das wollen wir herausfinden.“

Besucher*innen können sich im Laufe des Jahres also auf algorithmisch berechnete Lieblingswerke, maschinell empfohlene Rundgänge und ein abwechslungsreiches Kulturprogramm freuen. Wer das volle Angebot nutzen möchte, wird gebeten, vorab Interessen, Lieblingsfarben und die persönliche Toleranz gegenüber digitalen Entscheidungshilfen anzugeben.

Der Auftakt für „Von KI kuratiert“ ist für den 1. April 2026 geplant.

April, April!