MO-Ausstellung zeigt Wege des Abfalls und die Auswirkungen

Museum Ostwall im Dortmunder U thematisiert die globalen Wege des Mülls 

„Müll. Eine Ausstellung über die globalen Wege des Abfalls“ zeigt rund 50 internationale Kunstwerke des 20. und 21. Jahrhunderts, darunter neu geschaffene Auftragsarbeiten – zu sehen ab dem 27. März im MO im Dortmunder U. „Die Olchis“ sind die exklusiven Stars des Programms für Kinder. 

Elektroschrott im Sand
Eine Auftragsarbeit der Künstlerin Ana Alenso zeigt als Installation den Prozess des „Mining“ von Rohstoffen wie Kobalt, Gold und anderen wertvollen Materialien.
(Ana Alenso, Mad Rush Extended, Multimedia Installation, 2022/2025 © Ana Alenso)

Seit den 1960er-Jahren setzen sich Künstler*innen zunehmend und kritisch mit dem auseinander, was die Gesellschaft für Müll hält. Die Ausstellung bringt künstlerische Positionen aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in einen Dialog mit zeitgenössischen Werken. Die Grundlage ist dabei die Sammlung des Museum Ostwall, die früh einen Schwerpunkt auf globale wie regionale künstlerische Arbeiten zu diesem Thema setzte.

Routen des Mülls: Abfallentsorgung im globalen Süden und koloniale Kontinuitäten

Ein wichtiges Thema der Ausstellung sind koloniale Kontinuitäten, die in den Wegen des Mülls eine zentrale Rolle spielen. Die auf stetig neuem Konsum basierende Wirtschaft produziert in Kreisläufen, die davon abhängen, den so entstehenden Abfall in anderen Ländern – zumeist des globalen Südens – zu entsorgen. Die Künstler*innen der Ausstellung machen diese Routen des Mülls und die daraus resultierenden weltweiten Abhängigkeitsverhältnisse und ökologischen Folgen sichtbar. Zu sehen sind insgesamt rund 50 internationale Kunstwerke des 20. und 21. Jahrhunderts, darunter zwei neu geschaffene Auftragsarbeiten.

Einige Beispiele:

HA Schult: Kritik an der Konsumgesellschaft der späten 60er-Jahre

HA Schults „Situation Schackstraße“ aus dem Jahr 1969 gilt als eine der ersten umweltbezogenen Kunstaktionen in Deutschland: Auf eine Münchner Straße wurden mehrere Tonnen Wohlstandsmüll gekippt, so dass Passant*innen und Ordnungskräfte buchstäblich in Abfall wateten. Der Müll sollte die Verdrängung von Konsumabfällen sichtbar machen und das vermeintlich saubere Stadtbild radikal stören. Schult kritisierte damit eine Konsumgesellschaft, die ihren Müll symbolisch über den Tellerrand schiebt, und sah die Aktion als „Impfspritze“ für gesellschaftliches Umweltbewusstsein.

Nancy Holt: Land Art – Deponie als Kunstwerk

Nancy Holts Zeichnungen zu „Sky Mound“ (seit 1984) entstanden als visionärer Entwurf zur Rekultivierung einer riesigen Mülldeponie in New Jersey, die sie in eine parkartige Skulptur verwandeln wollte. Ihr Plan verband die ökologische Sanierung des Geländes mit Land Art, etwa durch Wege, die sich nach den Sonnenwenden ausrichten, und einem Wasserteich für die lokale Fauna – letzterer wurde als einziger Teil ihres Gesamtprojekts „Sky Mound“ bislang realisiert. Holt verstand das Werk als Schritt hin zu einer Kunst, die Teil der gesellschaftlichen Realität wird. Mit „Sky Mound“ wollte sie eine Deponie selbst zum Kunstwerk erheben.

Kader Attia: Gang durch Müll und Schrott

Eine zentrale Position in der Ausstellung nimmt Kader Attias Installation „Los de Arriba y Los de Abajo“ ein. Ein beengter Gittergang mit Müll und Schrott über den Köpfen versetzt Besucher*innen in körperliches Unbehagen: nur mit Drahtgeflechten sind sie gegen herabfallenden Abfall geschützt. Die Arbeit aus dem Jahr 2015 bezieht sich konkret auf die Situation in Hebron, wo sich die palästinensische Bevölkerung mit Netzen gegen den Müll aus den höher gelegenen israelischen Siedlungen schützt, und verweist zugleich allgemein auf die Trennung von „Die da oben und die da unten“, so die deutsche Übersetzung des Titels, in hierarchischen Gesellschaften.

Zwei Auftragsarbeiten: Gold und eine Sci-Fi-Stadt aus Elektroschrott

Ähnlich gelagert ist die mehrteilige Rauminstallation „Obsolete Swing“, einer aktuellen Auftragsarbeit der Künstlerin Ana Alenso. Die Installation zeigt den Prozess des „Mining“ von Rohstoffen wie Kobalt, Gold und anderen wertvollen Materialien, die mithilfe toxischer Stoffe sowohl aus dem Boden als auch aus alten Geräten gewonnen werden und Menschen, Natur und Lebensgrundlagen vor Ort gefährden. Die zweite aktuelle Auftragsarbeit, „TC-2000“ des Künstlers Akwasi Bediako Afrane, ist eine aus Elektroschrott konstruierte, ausufernde Science-Fiction-Stadt, die popkulturelle, afrofuturistische Bildwelten mit ausrangierter Technik verbindet.

Vermittlungsprogramm mit „Die Olchis“

Es gibt ein vielseitiges Veranstaltungs- und Vermittlungsprogramm: Vorträge, Workshops und Führungen vertiefen die Themen der Ausstellung und geben einen Blick hinter die Kulissen. An verschiedenen Stationen in der Ausstellung können Besucher*innen kreativ werden. Ein besonderes Highlight sind „Die Olchis“ des Autors und Illustrators Erhard Dietl: Die müffeligen Wesen begleiten Kinder und Jugendliche durch die Ausstellung. Speziell für die Ausstellung wurde ein Mitmach-Heft mit exklusiven Zeichnungen erarbeitet, das Kinder und Jugendliche beim Besuch kostenlos erhalten.

Kurzinfos: Künstler*innen, Publikation, Daten

„Müll. Eine Ausstellung über die globalen Wege des Abfalls“ zeigt Installationen, Skulptur, Fotografie, Video, Grafik und Medienkunst von Akwasi Bediako Afrane, Ana Alenso, Arman, César Baldacchini, Karimah Ashadu, Hicham Berrada, Heinz H.R. Decker, Nancy Holt, Allan Kaprow, Krištof Kintera, Chris Reinecke, HA Schult, Tejal Shah, Klaus Staeck u.a.

Die Ausstellung wird gefördert von der Kulturstiftung der Länder.

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation:

Müll. Ein Reader über die globalen Wege des Abfalls

Hrsg.: Museum Ostwall im Dortmunder U

mit Texten von Amanda Boetzkes, Jennifer Gabrys, Susi Gutsche, Annabel Keenan, Roman Köster, Nedine Moonsamy, Oliver Schlaudt, Evelyn Wan und anderen.

Spector Books, 200 Seiten, Deutsch/Englisch, ca. 40 Abbildungen, 28 EUR

ISBN DE: 978-3-95905-960-2, ISBN EN: 978-3-95905-961-9


Müll. Eine Ausstellung über die globalen Wege des Abfalls

Ausstellung im Museum Ostwall im Dortmunder: 27. März bis 26. Juli 2026


Autorin:
Stadt Dortmund
Fachbereich Marketing + Kommunikation
Silke Hempel – Pressestelle