Das leuchtende U und die Markenbildung
„Ganz im Geiste des Erbauers Emil Moog hat sich der U-Turm in eine Lichtplastik verwandelt und zur wichtigsten Bildmarke der Stadt entwickelt.“
Adolf Winkelmann, Filmregisseur und Schöpfer der „Fliegenden Bilder“ am Dortmunder U
https://dortmunder-u.de/event/kuenstlergespraech-mit-adolf-winkelmann-niklas-goldbach-moderiert-von-inke-arns/

1968 setzt die Dortmunder Union-Brauerei im wahrsten Sinne des Wortes ein Zeichen auf dem Hochhaus: Das vierseitige, rund elf Meter hohe, vergoldete und beleuchtete U nach einem Entwurf des Architekten Ernst Neufert verschmilzt Architektur und Markenstrategie zu einer Einheit. War das Logo der 1950er Jahre noch ein flaches Schild, wird es nun zum raumgreifenden Symbol. Man hat verstanden, dass das U viel mehr sein kann als nur ein einfaches Abbild: Es krönt das Gebäude nicht einfach, sondern macht es zum sichtbaren Wahrzeichen im Stadtraum.
Vom Werbelogo zum Stadtsymbol
Was als Werbezeichen beginnt, wächst im Laufe der Jahrzehnte zu einem Bild, das mit Bedeutung aufgeladen ist und sich tief ins kollektive Gedächtnis der Stadt einschreibt. Das U steht für Größe, Modernität und technische Stärke, zugleich aber auch für den Anspruch, ein Bier von internationalem Rang und hoher regionaler Bedeutung zu produzieren.
Gerade diese Verbindung von Produkt und Architektur macht das U so einprägsam. Das Bier wird nicht nur beworben, sondern räumlich verankert. Wer durch Dortmund geht, sieht das Zeichen über den Dächern und verbindet damit ein Stück Stadtidentität.
Zeichen im Wandel
Der Strukturwandel, das heißt, der Niedergang von Kohle und Stahl, verändert in den späten 1950er- und vor allem den 1960er-Jahren die industrielle Basis der Stadt und damit auch das Fundament, auf dem ihre Bierkultur gewachsen ist.
Spätestens seit den 1970er-Jahren geraten auch die glänzenden Fassaden der Brauwirtschaft ins Wanken. Die Zeit, in der die Union-Brauerei die Stadt prägt, geht zu Ende. Doch das U bleibt stehen. Gerade darin liegt seine besondere Kraft: Es verliert seinen ursprünglichen funktionalen Kontext und gewinnt eine neue symbolische Ebene. Aus dem Leuchtlogo einer Brauerei wird ein städtisches Wahrzeichen, das an Dortmunds industrielle Vergangenheit erinnert und zugleich offen für neue Deutungen ist.
- https://ruhrgebiet.de/leben/entdecken/dortmunder-u-vorher-nachher
- https://de.wikipedia.org/wiki/Dortmunder_U
- https://www1.wdr.de/fernsehen/geheimnisvolle-orte/sendungen/geheimnis-dortmunder-u-106.html unter https://www.youtube.com/watch?v=IYBZ_k-C2as
- https://www.efre.nrw/erleben/projekte-entdecken/dortmunder-u
- https://dortmunder-museen.de/dortmunder-u-original/
- Tappe, Heinrich: Zur Geschichte der Dortmunder Union-Brauerei AG 1868–1948. In: Historischer Verein für Dortmund und die Grafschaft Mark (Hrsg.): Beiträge zur Geschichte Dortmunds und der Grafschaft Mark. Band 111., S. 128–166.
- Ellerbrock, Karl-Peter; Das „Dortmunder U“. Vom industriellen Zweckbau zu einem Wahrzeichen der westfälischen Industriekultur, Münster 2009Ellerbrock, Karl-Peter; Das „Dortmunder U“. Vom industriellen Zweckbau zu einem Wahrzeichen der westfälischen Industriekultur, Münster 2009Ellerbrock, Karl-Peter; Das „Dortmunder U“. Vom industriellen Zweckbau zu einem Wahrzeichen der westfälischen Industriekultur, Münster 2009