Großaufnahme des Dortmunder U
© Roland Badge / Dortmunder U

Digitale Landmarke und Gegenwart

Dieter Gorny, Gründungsdirektor des European Centre for Creative Economy (ecce)
Dortmunder U, Zentrum für Kunst und Kreativität, S. 100, Bd. 1

Wer heute auf das Dortmunder U blickt, sieht mehr als ein Gebäude. Der ehemalige Gär- und Lagerhochbau ist längst zu einer digitalen Landmarke geworden, zu einem Ort, an dem sich Kultur, Medien und Stadtgesellschaft in Echtzeit begegnen. Das U ist ein lebendiger Organismus, der sich ständig neu erfindet.

Fassadenmaping am Dortmunder U
Fassadenmaping am Dortmunder U um Rahmen der DEW21 Museumsnacht (Foto: ©storylab kiU)

In einer Verbindung von Kunst, Forschung und Bildung richten sich die Veranstaltungen und vielfältigen kulturellen Angebote an ein möglichst breites Publikum. Hier wird ein inklusives Kulturkonzept verfolgt, das die Teilhabe und Mitwirkung unterschiedlichster Bevölkerungsgruppen ermöglicht. Barrierearm und integrativ ausgerichtet, baut der U-Turm Berührungsängste gegenüber Kunst ab und macht seine Angebote alltagsnah erlebbar. Dieser pragmatische Anspruch prägt den Charakter und die Arbeit des Hauses ganz entscheidend.


Vom Museum zum Workshop: ein Haus der aktiven Kultur

Sammlungspräsentation des Museum Ostwall
Blick in die Sammlungspräsentation „Body & Soul“ des Museum Ostwall ( Foto: © Jürgen Spiler)

Das Innere des Hauses versteht sich als offener, lebendiger Kulturort. Dabei ist das Museum Ostwall (MO) als Museum der Stadt Dortmund für seine Sonderausstellungen und seine Sammlung moderner Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts bekannt – darunter expressionistische Kunst, Fluxus-Arbeiten und zeitgenössischer Positionen. Im Fokus des Hartware MedienKunstVerein (HMKV) stehen Ausstellungen, Projekte und Veranstaltungen zu Film, Video, digitalen Medien und aktuellen künstlerischen Entwicklungen.

Auch die Technische Universität Dortmund und die Fachhochschule Dortmund mit dem storyLab kiU sind im Dortmunder U vertreten. Mit ihren Beiträgen aus Forschung, Lehre und Stadtentwicklung schlagen sie eine Brücke zwischen Wissenschaft, Kunst und urbaner Praxis.

Die uzwei ist ein Ort kultureller Bildung, an dem sich alles um Kunst und Medien dreht. Im Mittelpunkt steht dabei eigenes künstlerisches Gestalten. In Workshops entstehen so Filme, Videogames, Fotografien, Manga-Zeichnungen und 3D-Animationen. Die Programmangebote orientieren sich am jeweiligen Ausstellungsthema und laden zum Ausprobieren und Experimentieren ein. 

Filmvorführung im  "Kino im U"
Filmvorführung im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Kino im U“, © Dortmunder U / Roland Baege

Die Kunstbibliothek Weitwinkel, das Kino im U und ein großes gastronomisches Angebot runden das vielfältige Spektrum ab. In unmittelbarer Nachbarschaft ergänzt der Dortmunder Kunstverein das Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm des Dortmunder U.

Kunst zum Mitdenken und Mitgestalten

Im Dortmunder U zeigen die Ausstellungen eine klare Ausrichtung auf gesellschaftlich relevante Themen und partizipative Kunstformen. Große Ausstellungsprojekte verbinden internationale Kunst mit aktuellen Diskursen, etwa zu globalen Stoffkreisläufen und ökologischen Fragen. Zugleich gewinnen raumgreifende Installationen an Bedeutung, die Architektur, Stadtgeschichte und den Wandel des Ruhrgebiets aufgreifen.

Personen in der Ausstellung Müll
Blick in den Gittergang von Kader Attias „Los de arriba y los de abajo“ (2015), in dem sich Müll und Schrott über den Köpfen der Besucher*innen sammeln. Foto: Museum Ostwall / Roland Baege

Ein prägendes Merkmal ist die stärkere Einbindung des Publikums: Interaktive Formate und begehbare „Environments“ laden es zur Teilnahme ein. Insgesamt zeigt sich ein offenes, diskursives Kunstverständnis, das Kunst als Mittel zur Auseinandersetzung mit Gegenwartsthemen begreift. Das Dortmunder U liefert keine fertigen Antworten, aber es stellt die richtigen Fragen.

Vom Sudhaus zum Diskursraum

Dabei entzieht sich das Gebäude bewusst eindeutigen Kategorien. Es ist ein faszinierendes Hybrid: Museum und Labor, Ausstellungsraum und Bildungsstätte in einem. Diese Offenheit ermöglicht es, unterschiedliche Nutzungen und Perspektiven zusammenzubringen. Kunst trifft auf Wissenschaft, Bildung auf Freizeit, lokale Initiativen auf internationale Diskurse.

Kaum ein Ort macht den Strukturwandel des Ruhrgebiets so greifbar wie dieser. Wo einst Bier produziert wurde, entstehen heute neue Ideen und Debatten. Der Wandel vom Produktionsort zum Diskursraum ist hier nicht abstrakt. Er ist eingeschrieben in die Architektur: Jeder Raum, jede Etage erzählt von dieser Transformation.

Großaufnahme des Dortmunder U
Die „fliegenden Bilder“ am Dortmunder U © Stadt Dortmund / Roland Baege

Das Dortmunder U ist damit mehr als ein Symbol. Es ist ein dynamischer Akteur der Stadtgesellschaft. Ein Ort, der zeigt, wie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ineinandergreifen können. Und vielleicht liegt genau darin seine größte Qualität: nicht eindeutig zu sein, sondern offen.

  • Dortmunder U, Zentrum für Kunst und Kreativität, S. 100, Bd. 1
  • https://www.dortmund.de/themen/digitalisierung/modellprojekt-smart-cities/
  • https://dortmunder-u.de/
  • https://www.efre.nrw/erleben/projekte-entdecken/dortmunder-u
  • https://ruhrgebiet.de/leben/entdecken/dortmunder-u-vorher-nachher
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Dortmunder_U