Industriewunder der 1920er – Aufstieg der Union-Brauerei
„Das Gebäude war ein Ausdruck von Stolz auf die Stadt,
die mittlerweile zu den Metropolen Europas gezählt wird.“
Karl-Peter Ellerbrock, Wirtschaftshistoriker
WDR-Doku: https://www.youtube.com/watch?v=IYBZ_k-C2as Min. 9:00
Aufstieg der Union-Brauerei


Dortmund in den 1920er-Jahren: eine Stadt im industriellen Aufbruch und mit großen Ambitionen. Kohle, Stahl und Bier treiben das Wachstum voran, die Bevölkerungszahl steigt und das Selbstverständnis wandelt sich. Dortmund will mehr sein als eine große Industriestadt: Man will zu einer Metropole werden.
Auch planerisch wird diese Entwicklung vorangetrieben. Mit Paul Hirsch kommt ein erfahrener Reformpolitiker nach Dortmund, der zuvor maßgeblich an der Bildung von Groß-Berlin beteiligt war. Als jüdischer Bürgermeister bringt er seine Erfahrungen ein, um die Idee eines „Groß-Dortmunds“ voranzutreiben, eine städtebauliche Neuordnung, welche die Stadt auf dem Weg zur Metropole stärken soll. Die Dortmunder Union-Brauerei steht exemplarisch für diesen Anspruch. 1929 nähert man sich einem Ausstoß von einer Million Hektolitern Bier jährlich und gilt zeitweise als größte Brauerei im Westen Deutschlands. Bier wird zum Exportprodukt und zum Symbol urbaner Leistungsfähigkeit.
Mitten in dieser Dynamik entsteht 1926/27 an der Rheinischen Straße der U-Turm. Errichtet als Gär-, Kühl- und Lagerhochhaus, ist er funktionaler Industriebau und zugleich Ausdruck eines neuen städtischen Selbstbewusstseins. Er ist das erste Hochhaus Dortmunds und signalisiert sichtbar: Diese Stadt denkt in neuen Maßstäben. Das Hochhaus am Südbahnhof, das Westfalenhaus und weitere folgen. Ende der 20er Jahre gilt Dortmund als die Stadt der Turmhäuser, wie sie damals noch genannt werden.
Mitten in dieser Dynamik entsteht 1926/27 an der Rheinischen Straße der U-Turm. Errichtet als Gär-, Kühl- und Lagerhochhaus, ist er funktionaler Industriebau und zugleich Ausdruck eines neuen städtischen Selbstbewusstseins. Er ist das erste Hochhaus Dortmunds und signalisiert sichtbar: Diese Stadt denkt in neuen Maßstäben. Das Hochhaus am Südbahnhof, das Westfalenhaus und weitere folgen. Ende der 20er Jahre gilt Dortmund als die Stadt der Turmhäuser, wie sie damals noch genannt werden.
Brauen im Hochhausformat

Mit dem Entwurf des knapp 75 Meter hohen U-Turms folgt der Architekt Emil Moog einer radikalen Idee: Die Produktion wird vertikal organisiert. Die einzelnen Schritte des Brauprozesses liegen übereinander, verbunden durch ein System, das die Schwerkraft nutzt. Rohstoffe und Flüssigkeiten bewegen sich von oben nach unten durch den Turm, kontrolliert und ohne unnötige Transportwege.
Die innere Struktur ist präzise aufgeteilt: Über älteren Kellern und einem offenen Hofgeschoss liegen drei Stockwerke mit Lagerkellern. Darüber folgt ein Geschoss mit 77 offenen, verfliesten Gärbecken, in denen unter anderem Dortmunder Export vergoren wird. In den oberen Etagen befinden sich Räume für Würze- und Bierlagerung sowie Kühlanlagen. Den Abschluss bildet eine 21,5 Meter hohe Deckhaube mit vier Kühlschiffen, belüftet über fest installierte Jalousien. Ein zentraler Aufzug verbindet die Ebenen.
- https://www1.wdr.de/fernsehen/geheimnisvolle-orte/sendungen/geheimnis-dortmunder-u-106.html unter https://www.youtube.com/watch?v=IYBZ_k-C2as
Min. 5:30, 5:50, 6:35, 8:37 - https://www.aknw.de/aktuelles/news/details/news/emil-moog-1873-1954-das-dortmunder-u-zeichenhaft-und-funktional
- https://ruhrgebiet.de/leben/entdecken/dortmunder-u-vorher-nachher
- https://de.wikipedia.org/wiki/Dortmunder_U
- https://de.wikipedia.org/wiki/Dortmunder_Union-Brauerei
- Hartwig Kersken, Die vergessene Reichsstadt? Zur Vergangenheitsrezeption in der industriellen Großstadt Dortmund
- Dortmunder Zeitung, 4.11.1927.
- Stadtspäher im Dortmunder U – Baukultur in Schule und Universität, Katrin Voidel,
S. 56-57 - Stadt Dortmund (2010): Dortmunder U – Zentrum für Kunst und Kreativität. Dortmund.
- Die 1920er Jahre: Dortmund zwischen Moderne und Krise (Sonderausgabe der Zeitschrift „Heimat Dortmund“)