MO_Schaufenster #42: Nezaket Ekici: Was bleibt, was wird
MO_Kunstpreis 2026 für Nezaket Ekici
Persönliche Erinnerungen, kollektive Erfahrungen und gesellschaftliche Fragestellungen: Nezaket Ekici verbindet in ihrer Kunst das Private mit dem Politischen. Die Ausstellung Schaufenster #42 im Museum Ostwall präsentiert Werke, in denen Migration, kulturelle Zugehörigkeit, Geschlechterrollen, Körperbilder und Alterungsprozesse ein Geflecht aus Erinnerungen, Erfahrungen und fortwährender Transformation bilden. Im Mittelpunkt stehen Wandel, Selbstbestimmung und die Frage, wie Zugehörigkeit immer wieder neu entsteht und ausgehandelt wird.
In Papas Poem rezitiert die Künstlerin ein Gedicht ihres Vaters, Eingebildeter Europäer, das die Erfahrungen der sogenannten „Gastarbeiter*innen“, die in den 1960er Jahren nach Deutschland kamen, sowie den gesellschaftlichen Umgang mit ihnen thematisiert. Humorvoll setzt sich Kaffeeklatsch mit einem deutschen Gesellschaftsritual auseinander: Gekleidet in verschiedene Trachten sitzt die Künstlerin mit sich selbst bei Kaffee und Kuchen und hinterfragt Vorstellungen von Zugehörigkeit, Tradition und gesellschaftlichen Rollen. Patchwork ist eine Reflexion über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft: Ein Kleid wird zerschnitten und neu zusammengesetzt – die Umwandlung des Materials wird zum Sinnbild für Veränderung und die Offenheit persönlicher Lebenswege. Menopause rückt die körperlichen Veränderungen der Wechseljahre und des Älterwerdens in den Fokus – nicht als Verlust, sondern als selbstverständlichen Teil eines natürlichen Lebensprozesses.

So entsteht das vielschichtige Porträt einer Künstlerin, die ihren eigenen Körper und ihre Lebensgeschichte als Ausgangspunkt nutzt, um universelle Fragen nach Herkunft, Zugehörigkeit, Wandel und Selbstbestimmung zu verhandeln.
