Ana Alenso, Mad Rush Extended, Multimedia Installation, 2022/2025, © Ana Alenso.

Müll. Eine Ausstellung über die globalen Wege des Abfalls

Was passiert mit dem Müll einer globalisierten Konsumgesellschaft – und wer trägt die Folgen? Die Sonderausstellung Müll. Eine Ausstellung über die globalen Wege des Abfalls widmet sich den weltweiten Routen von Abfall und ihren sozialen, ökologischen und politischen Auswirkungen. Gezeigt werden rund 50 internationale Kunstwerke des 20. und 21. Jahrhunderts, darunter zwei eigens für die Ausstellung entwickelte Auftragsarbeiten.

Kunst und Müll seit den 1960er-Jahren

Ausgehend von der Sammlung des Museum Ostwall, die früh künstlerische Auseinandersetzungen mit Müll und Konsum in globalen wie regionalen Kontexten aufgriff, bringt die Ausstellung historische Positionen seit den 1960er-Jahren in einen Dialog mit zeitgenössischer Kunst. Künstler*innen untersuchen Müll als materielles Überbleibsel von Wohlstand, als verdrängtes Nebenprodukt moderner Lebensweisen und als Ausdruck globaler Ungleichheiten.

Zu den frühen Beispielen zählt HA Schults Aktion Situation Schackstraße (1969), bei der mehrere Tonnen Abfall auf eine Münchner Straße gekippt wurden, um das vermeintlich „saubere“ Stadtbild radikal zu stören. Nancy Holts Zeichnungen zu Sky Mound (1985) zeigen einen visionären Entwurf zur Umwandlung einer Mülldeponie in New Jersey in eine parkartige Land-Art-Skulptur. Anna Zetts Videoarbeit Freiheit 3 (2019) thematisiert die toxische Geschichte der Bitterfelder Deponie und die ambivalenten Versprechen von Freiheit nach 1989.

Bei HA Schults Aktion "Situation Schackstraße" (1969) wurden mehrere Tonnen Abfall auf eine Münchner Straße gekippt, um das vermeintlich „saubere“ Stadtbild radikal zu stören.
HA Schult (*1939), Situation Schackstraße, 1969/1970, Serigrafie auf Papier, Sammlung Museum Ostwall im Dortmunder U, © VG Bild-Kunst, Bonn 2025.

Globale Abfallrouten und koloniale Kontinuitäten

Ein Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf kolonialen Kontinuitäten in den globalen Abfallströmen. Künstlerische Arbeiten machen sichtbar, wie Müll aus dem globalen Norden häufig in Länder des globalen Südens exportiert wird und dort ökologische Schäden sowie neue Abhängigkeiten erzeugt. Karimah Ashadus Videoarbeit Brown Goods (2020) folgt einem informellen Kreislauf gebrauchter Elektrogeräte zwischen Europa und Afrika. Die aktuelle Auftragsarbeit Obsolete Swing von Ana Alenso beleuchtet die toxischen Prozesse der Rohstoffgewinnung aus Elektroschrott. Mit TC-2000 entwirft Akwasi Bediako Afrane eine aus Elektroschrott gebaute, afrofuturistische Science-Fiction-Stadt.

Akwasi Bediako Afrane, Visualisierung für TC-2000, 2025, © Akwasi Bediako Afrane.
Akwasi Bediako Afrane wird eigens für die Ausstellung ein Werk entwickeln: TC-2000 (Visualisierung), 2025, © Akwasi Bediako Afrane.

Machtverhältnisse, Körper und Räume

Eine zentrale Installation der Ausstellung ist Los de arriba y los de abajo (2015) von Kader Attia. Ein schmaler Gittergang mit Müll und Schrott über den Köpfen der Besucher*innen erzeugt körperliches Unbehagen; nur Drahtgeflechte schützen vor herabfallendem Abfall. Die Arbeit bezieht sich konkret auf die Situation in Hebron, wo sich die palästinensische Bevölkerung mit Netzen gegen den Müll aus den höher gelegenen israelischen Siedlungen schützt, und verweist zugleich allgemein auf die Trennung von „oben“ und „unten“ in hierarchischen Gesellschaften. Der Abfall wird dabei nicht nur zum Symbol, sondern zum realen, permanent präsenten Bestandteil eines von Macht und Ungleichheit geprägten Alltags.

Los de arriba y los de abajo (2015) von Kader Attia: Ein schmaler Gittergang mit Müll über den Köpfen der Besucher*innen verweist auf reale Schutznetze in Hebron und thematisiert Machtverhältnisse sowie soziale Hierarchien.
Kader Attia (*1970), Los de Arriba y Los de Abajo, 2015, © Kader Attia, Mit freundlicher Genehmigung des Künstlers sowie Galerie Nagel Draxler Berlin / Köln / Meseberg.

Die Ausstellung versammelt Arbeiten aus Installation, Skulptur, Fotografie, Video, Grafik und Medienkunst von u. a. Akwasi Bediako Afrane, Ana Alenso, Arman, César Baldaccini, Karimah Ashadu, Nancy Holt, Allan Kaprow, Krištof Kintera, HA Schult, Tejal Shah und Klaus Staeck.

Die Olchis unterstützen beim Vermittlungsprogramm

Ein umfangreiches Vermittlungsprogramm mit Führungen, Workshops, Vorträgen und Arbeitsstationen lädt zur vertiefenden Auseinandersetzung ein. Für Kinder und Jugendliche begleiten die Olchis von Erhard Dietl durch die Ausstellung; ein eigens entwickeltes Mitmach-Heft ergänzt das Angebot.

Bildnachweis: Verlagsgruppe Oetinger, Hamburg

Ausstellungseröffnung

Das Dortmunder U lädt zur Eröffnung der Ausstellung ein.
Donnerstag, 26. März, 19:00 Uhr (Einlass ab 18:30 Uhr)
Sonderausstellungsfläche Ebene 6 sowie BRAUTURM Ebene 7.

Im Windfang im Erdgeschoss findet zusätzlich eine besondere Aktion von 17:30–22:00 Uhr statt.

AFTERLIVES – Kleidertauschparty

Die Ausstellung Müll. Eine Ausstellung über die globalen Wege des Abfalls liefert den Ausgangspunkt für einen Abend aus Kleidertausch, Musik und gemeinsamer Praxis.

Kleidung, die in Europa aussortiert wird, bleibt selten hier – sie endet häufig als Abfall im Globalen Süden. AFTERLIVES setzt genau dort an: Kleidung wird bewusst weitergegeben, jenseits klassischer Konsumlogiken – begleitet von Musik.

Während des Kleidertauschs legen drei DJs live auf und begleiten den Abend musikalisch.

So funktioniert’s:

– Max. 5 saubere Kleidungsstücke mitbringen
– Keine beschädigte Kleidung, keine Unterwäsche
– Tauschen und passende Stücke mitnehmen
– Möglichst die gleiche Menge mitnehmen, die abgegeben wird

Der Kleidertausch wird veranstaltet von Scherwin Hosseini vom BLENDHAUS Dortmund .

Ein Ort für Kleidung aller Körper, Verantwortung und Umverteilung – mitten im Museum.

Kleidertauschparty AFTERLIVES
Foto: BLENDHAUS*
DJane medea

Zur Ausstellungseröffnung legt die DJ medea auf. Die Künstlerin mit griechischen Wurzeln und Heimat im Ruhrgebiet bringt fast zehn Jahre Clubkultur-Erfahrung an die Turntables. Als Resident-DJ im Dortmunder Club Tresor.West verbindet sie in ihren Sets warme, treibende Klanglandschaften zwischen dubby Techno, tranceartigen Sounds, housigen Breaks und Einflüssen aus Detroit.

Mit ihrer Eventreihe „R.I.O.T. – Reclaiming Identities On Turntables“ setzt sie sich zudem für mehr Sichtbarkeit und Räume für marginalisierte Geschlechtsidentitäten in der Clubkultur ein.


Symposium Müll. Kunst und die globalen Wege des Abfalls

Anlässlich der Ausstellung Müll. Eine Ausstellung über die globalen Wege des Abfalls findet am Donnerstag, 11. Juni 2026, das internationale Symposium Müll. Kunst und die globalen Wege des Abfalls statt. Wie die Ausstellung widmet sich auch das Symposium künstlerischen Auseinandersetzungen mit Müll in der modernen und zeitgenössischen Kunst, die seit den späten 1950er Jahren sichtbar machen, wie Abfall dargestellt oder als Material genutzt wird und welche ästhetischen Strategien daraus entstehen. Im Mittelpunkt stehen dabei die ökologischen und sozialen Folgen der Müllproduktion sowie die globalen Zusammenhänge von Müllhandel, kolonialen Kontinuitäten und der Verlagerung großer Müllmengen aus dem Globalen Norden in den Globalen Süden.

Klimabündnis Dortmund 

Das Klimabündnis Dortmund vereint lokale ehrenamtliche Initiativen und Organisationen mit mehr als 8.000 Mitgliedern, die sich für Klimaschutz und Energiewende einsetzen. Die Beteiligten bringen Expertise aus unterschiedlichen Bereichen ein – etwa Umwelt- und Klimafragen oder nachhaltige Kreislaufwirtschaft. In Arbeitsgruppen entstehen politische Forderungen, Aktionen und Projekte.

Für die Ausstellung Müll. Eine Ausstellung über die globalen Wege des Abfalls gestaltet das Klimabündnis einen eigenen Bereich. Mitglieder vermitteln dort Fakten zu einzelnen Themen, laden zu Mitmachstationen ein und stellen ihre Arbeit vor.

27.03. – 11.05.2026
Plastikmüll
BUND – Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Dortmund
Pur – loses & feines (Unverpackt- und Bioladen)

11.05. – 15.06.2026
Müll in den Meeren
Greenpeace Dortmund

15.06. – 26.07.2026
Kreislaufwirtschaft
netz.NRW & Die Urbanisten

Repair- und Nähcafé
Am 18.04., 02.05. und 13.06.2026 ist außerdem das KA!SERliche Repair- und Nähcafé im Lautsprecher (Ebene 4) zu Gast. Dort können Besucher*innen defekte Elektrogeräte und Kleidung mit fachkundiger Unterstützung selbst reparieren.

Filme über Müll laufen als Teil von „Fliegende Bilder“ im Dortmunder U

Der Filmemacher Adolf Winkelmann zeigt verschiedene Filme zum Thema Müll als Teil des Kunstwerks Fliegende Bilder. Während der Laufzeit der Ausstellung sind die Filme in der Bilderuhr auf der Dachkrone, im Windfang und in der Vertikalen des Dortmunder U zu sehen.

Begleitende Publikation

Zur Ausstellung erscheint die begleitende Publikation Müll. Ein Reader über die globalen Wege des Abfalls, herausgegeben vom Museum Ostwall im Dortmunder U. Der zweisprachige Reader (Deutsch/Englisch) versammelt Texte von Amanda Boetzkes, Jennifer Gabrys, Susi Gutsche, Annabel Keenan, Roman Köster, Nedine Moonsamy, Oliver Schlaudt, Evelyn Wan u. a. Er erscheint bei Spector Books, umfasst 200 Seiten mit rund 40 Abbildungen und ist für 28 Euro erhältlich (ISBN DE: 978-3-95905-960-2, ISBN EN: 978-3-95905-961-9).

Die Ausstellung wird gefördert von der Kulturstiftung der Länder

Mit freundlicher Unterstützung von

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